Gestern haben die Eclipse-Testing Days in Darmstadt stattgefunden. Geschätzte 70 Personen aus der Eclipse-Open-Source-Community machten sich Gedanken, wie Testing in Eclipse und von Eclipse verbessert werden kann. Insbesondere in der Open-Source-Community wichtig: Möglichst frühes User-Feedback, denn User gibt’s viele, deutlich mehr als Entwickler. Dieses asymmetrische Testen erfordert aber zweierlei: Das Reporting muß detailliert sein, damit die Ergebnisse auch konstruktiv verwendet werden können. Es muß aber auch maximal einfach zu geben sein, da sonst keiner irgendwas reportet. Ist detailliertes Enduser-Feedback damit ein Oxymoron?
Die Eclipse Testing Days wurden in diesem Jahr von Bredex in Darmstadt veranstaltet. Es ist eine sehr leichtgewichtige Veranstaltung: Kein Luxushotel, sondern ein typisches Tagungshotel mit dem Charme einer besseren Jugendherberge, kaum Schlipsträger sondern eher very casual (ich glaube sogar, ich war der einzige mit Krawatte), minimale Tagungsgebühren, ein aktiver Twitter-Verkehr während der Konferenz und insgesamt eher ein “Du” als ein “Sie”. In Summe aber sehr angenehm.
Es ist definitiv eine Basisveranstaltung ohne CXO-Präsenz, wohl aber mit namhaften Firmen wie z.B. XING, die Software AG oder SAP. Hier wird in einem Vortrag auch schon einmal live JAVA programmiert und auf die API-Varianten unterschiedlicher Eclipse-Plug-ins im Detail eingegangen. Und es waren Tester, Tester mit Herz, die größtenteils (ich habe während der Panel-Diskussion mal gefragt) auch stolz darauf sind, Tester zu sein!
Als Panelist durfte ich neben der “reinen Wirtschaft” – vertreten durch XING — und der “reinen Lehre” — vertreten durch die TU Delft — das Thema asymmetrisches Testen diskutieren, also die Möglichkeit, End-User möglichst frühzeitig zum Testen einzuladen. Schnell wurde als ein wichtiges Zwischenergebnis deutlich, dass ein Testen durch Enduser immer nur additiv zum klassischen Testen sein kann, es wird dieses aber niemals ersetzen. Selbiges gilt für alle Formen des Crowd-Testings…ein Begriff, der übrigens in dieser Runde fast völlig unbekannt war. Und das Konzept der Endusertests ist keineswegs neu, sondern wurde bisher nur unter anderen Namen wie Alpha-Tester, Best-Tester oder Prerelease-Testing geführt.
Feedback ist also wertvoll…doch gibt’s da ein weiteres Problem: Als Feedback-Geber möchte ich möglichst wenig Aufwand in das Reporting reinstecken. Je einfacher und je niedriger die Feedback-Barriere, desto besser. Ein gutes Beispiel ist QYPE, das genau so funktioniert: Völlig unentgeltlich bewerten Personen dort Restaurants, Hotels, Bars etc. In der Regel durch einen einzigen Klick auf einer 5-Sterne Skala: Hotel schlecht=1 Stern; Hotel super=5 Sterne. Vielleicht noch einen Freitext-Kommentar, aber keine seitenlange Kriterienliste. Klappt prima, Millionen Bewertungen. Aber hilft es dem Hotel, das zum 10. mal mit nur 1 Stern bewertet wird, zu verstehen, was denn nicht gefällt? Auch dieses Problem kennt man in der Eclipse-Communities: Genug Feedback der Form: “Bei mir stürzt das immer ab”. Wenig hilfreich.
Nein, um konstruktiv zu sein, bedarf es detaillierteren Feedbacks: Auch das kennen wir: In fast jedem Hotel liegen dafür lange Bewertungsbögen, in denen unterschiedliche Kriterien abgefragt werden: Sauberkeit des Bades, Sauberkeit des Zimmers, Bequemlichkeit des Bettes, Härte des Kopfkissens, Temperatur, Lautstärke, Frühstück, Spa, Freundlichkeit des Empfangs, Internet-Qualität, Platzangebot, Auswahlliste in der Minibar, Preise der Minibar, Freizeitangebot in der näheren Umgebung etc. Doch wer füllt das aus? Da lobe ich mir doch “1-Click”. Also ein Oxmoron!
Ein weiterer Problembereich: Für ein hilfreiches Testergebnis sind auch teilweise persönliche Daten relevant: Welche Hardware haben sie? Welche Software haben sie noch auf dem Rechner installiert? Wie sind sie im Internet (WLAN, 3G, etc.)? Welche Antiviren- und Firewall-Lösung haben Sie installiert? Alles wichtig, um Testergebnisse nachvollziehbar zu machen….aber damit wird die Barriere, ab der eben kein Feedback mehr gegeben wird, auch höher.
Insgesamt eine sehr spannende Diskussion in einer spannenden Community. Hat Spaß gemacht. Vielleicht auch mal was für den einen oder anderen Leser dieses Blogs…mal etwas ganz leichtgewichtiges besuchen. Wir sehen uns sicher!












